Unter Wölfen – Der Wolfspark Werner Freund

Von Zwei- und Vierbeinern im Wolfspark Merzig


weil einmalig.

Polarwölfe Wolfspark Merzig
Polarwölfe im Wolfspark Merzig

Es ist Montag 08:50 Uhr. 30 Minuten Fahrt brauchte es bis ich hier war. Es regnet leicht und es herrscht eine verdächtige Stille auf dem Parkplatz. Nur ein paar Vögel wagen es die Stille zu durchbrechen als ich plötzlich ein heulen aus der Ferne vernehme. Kein Grund zur Panik. Ich warte auf Tatjana Schneider, die Nachfolgerin von Werner Freund, dem Namensgeber des Werner-Freund-Wolfspark (<– Link) hier in Merzig.

Der Mensch

Wooky der Wolf
Wooky der Wolf ist Tatjana Schneiders Projekt um Kinder über die Tiere und ihr Verhalten aufzuklären.

Wenige Minuten später stößt Sie auch schon dazu und ich steige in ihren Geländewagen ein. Sie nimmt mich das kurze Stück mit, wir fahren in den Park und halten an einer kleinen Hütte welche sich zwischen den Gehegen befindet. „Das Wolfslazarett.“ sagt sie etwas spaßig. Tatsächlich könnte man die Hütte als „Universalbüro“ bezeichnen, neben einem Schreibtisch und einem Bett befinden sich hier auch allerlei Basteleien. Wir setzen uns. Die Zeit ist beschränkt da sie später noch ein Interview gibt, betreffend eines Vorfalls am Wochenende davor. Einige Besucher hatten offensichtlich nicht verstanden, dass es sich hierbei um eine Forschungsanlage und nicht um einen Vergnügungspark handelt. Der Wolfspark ist nämlich genau zu diesem Zweck in’s Leben gerufen worden: Die Verhaltensforschung. Wolfsfamilien und wie sie ticken, um es zu vereinfachen. Es ist eine Forschungsstation welche Besuchern die Möglichkeit gibt einen Einblick in diese Arbeit zu erhalten. Sie soll mit Ammenmärchen aufräumen und bei der Aufklärung der Bevölkerung helfen. Sie dient nicht dem amusement der Besucher. Bei den Kindern soll hier das Projekt „Wooky der Wolf“ helfen.

Tatjana Schneider in der Hütte
Tatjana Schneider erzählt mir von Werner Freund und ihrer Arbeit im Wolfspark Merzig.

Das erste Gehege wurde 1977 durch Werner Freund, dem Gründer des Wolfspark, errichtet. „Was für ein Mensch war er denn so?“ frage ich. Ich hatte leider nie die Gelegenheit ihn persönlich kennen zu lernen und muss mir vorstellen wie es ist mit jemanden zu arbeiten oder zu leben, der auf eine so direkte Art in Kontakt mit Wölfen steht, wie eigentlich kein anderer auf der Welt. „Zwei Möglichkeiten. Man kommt mit ihm durch eine Tür oder nicht.“ sagt Tatjana lächelnd. Trotz unterschiedlicher Ansichten lief die Zusammenarbeit immer sehr gut. Er hatte steht’s Interesse gezeigt für andere Kulturen und Traditionen. Er war kein komplizierter Mensch, hatte eine soziale Ader. Sein Anliegen damals, wie heute bei seiner Nachfolgerin, war es den Wolf in seiner Gesamtheit besser verstehen zu lernen. Werner Freund verstarb am 09.02.2014

Das Warum

Bei Tatjana Schneider fing alles mit ihrer Hündin Dishna an und David Mech (<– Link). „Ich fand das logisch was sie tut…“ sagt sie „…habe ihr Verhalten aber nicht immer verstanden. Ich wollte wissen: Warum?“.  Sie ist nun seit 23 Jahren im Wolfspark dabei.

Arktiswölfe Merzig
Ein regelmäßiger Kontakt zu den Wölfen ist wichtig, um im Rudel dauerhaft akzeptiert zu werden.

Warum es so wichtig ist die Wölfe zu beobachten? Es hilft den Forschern zu verstehen warum sich ein Wolf so verhält wie er sich verhält. Das nützt dem Schutz des Tieres, der Aufklärung der Mitmenschen welche sich zu unrecht vor dem Wolf fürchten und nützt dem Verständnis seiner Aufgabe in einem gesunden Ökosystem, zu welchem der Wolf zweifelsfrei dazu gehört. Das wilde Tier ist bei uns ebenso heimisch wie in vielen anderen Teilen der Welt. Wenn man einen Wolf und seine Familie einmal versteht, ergibt sich daraus ein ganz anderes Bild auf diese Tiere, welche man nicht fürchten muss.

Das Tier

Der Park ist zum jetzigen Zeitpunkt (Stand Mitte 2016) 8 Hektar groß, mit mehr als 20 Wölfen in 7 Familien („Rudel“). Größe, Art und Futterreichtum geben die Größe einer Familie vor. Die Kommunikation und Mimik der Wölfe ähnelt sich, unabhängig von seiner Herkunft. Zum Beispiel beim Üben der Jagd. Ein Wolf gehört zum Ökosystem wie jedes andere Tier auch. 150 Jahre lang war er aus der Bundesrepublik verschwunden und seit 15 Jahren ist er hier wieder heimisch. Er verhindert die Überpopulation von Rehen, Wild, Schweinen & Co. „Die Polizei des Waldes.“ sagt Tatjana. Jägern gefällt dies natürlich nicht sonderlich, kann die Rückkehr des Wolfes doch dazu führen das sich der Tierbestand wieder selbstständig reguliert und die Jagd stark eingeschränkt werden muss.

Wolfstatze
Der Abdruck einer Wolfstatze sieht sehr beeindruckend aus, im Größenvergleich mit der Hand eines Menschen.

Der Wolf ist kein Sünder und kein Heiliger aber auch erst recht kein Monster, wie man es aus vielen Geschichten und Märchen kennt. Das A und O für den Wolf sind das soziale Verhalten und das Überleben, wobei die soziale Struktur das Überleben sichert. Jedes Tier im Rudel hat seine Aufgabe, jeder macht was er am besten kann. Das Alphatier oder Paar, das weibchen hat steht’s das letzte Wort, ist nicht automatisch für die Jagd verantwortlich. Dies übernehmen schlicht die besten Jäger, egal wer das ist. Bei der Welpenaufzucht spielt allerdings die gesamte Famile eine große Rolle. Die Welpen lernen durch das Beobachten der älteren Wölfe, somit trägt jeder Verantwortung.

Auch Tiere die neu dazu kommen müssen noch Jungtiere, z.B. Welpen sein. Diese kommen meist aus Zoo’s oder anderen Tierparks. Die Reviere im Wolfspark Merzig sind so groß wie möglich und die Tiere haben nur sehr wenige Bezugspersonen, damit ihr Verhalten ebenfalls so natürlich wie möglich bleibt. Somit lassen sich die Tiere auf eine Art beobachten, wie es in freier Wildbahn niemals möglich wäre.

Wolfspark Merzig
Tatjana Schneider und zwei Polarwölfe bei der Begrüßung.

Hier gibt’s Anfahrtsinfos und ein paar Eckdaten:

Anfahrt

Erreichbar mit , +

In der Karte seht ihr die Position wo sich der Wolfspark genau befindet. Die Adresse lautet: Waldstraße 204, 66663 Merzig

Sollte die Karte nicht korrekt laden, einfach einmal auf „Größere Karte“ klicken, dann sollte es funktionieren.

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In der Nähe

Am Parkplatz des Wolfspark startet auch der „Wolfsweg“, ein leicht zu bewältigender Premiumwanderweg welcher euch an vielen schönen Sehenswürdigkeiten der Region vorbei führt. Festes Schuhwerk empfiehlt sich hier um trittsicher durch eine kleine Schlucht zu kommen.

Hinweis

Auch wenn er ein spannendes Ausflugsziel ist, der Wolfspark ist kein Vergnügungspark! Haltet euren Hund bitte an der kurzen Leine und achtet darauf das eure Kinder kein Essen oder Gegenstände in’s Gehege werfen. Solch unnötiger Stress kann dazu führen das die Tiere sich verletzen.

Tipp

Jeden 1. Sonntag im Monat findet um 16 Uhr eine kostenlose Führung statt. Treffpunkt ist das Gehege der Arktiswölfe.

Weitere Infos

  • Weitere Mitarbeiter und freiwillige Helfer: Michael Schönberger, Anton Pleli, Astrid Scheunemann, Wolfgang Nieder
  • Die Facebookseite des Wolfspark Werner Freund in Merzig
  • Der Förderkreis Merziger Wolfsgehege e.V. (<– Link) unterstützt den Wolfspark Merzig
  • Ein Praktikum im Park ist möglich, bedarf aber einer langen Vorlaufzeit.
  • Gastronomie: Der Wolfskrug (<– Link) ladet zum gemütlichen beisammen sein ein.
  • Weitere tolle Bilder von den Wölfen findet ihr bei Michael Schoenberger Photography (<– Link)
  • Tatjana Schneider selbst malt Tierportraits. Ihre Seite heißt Tatz Tierzeichnungen (<– Link)

2 Kommentare

  1. Ich war schon mehrfach in dem Park . Jedesmal ein Erlebnis . Ich kann diesen Park mit guten Gewissen jeden ans Herz legen.
    Ein herzliches „danke schön“ an alle die sich so liebevoll um die Tiere kümmern. Ihr macht diese Welt ein wenig wärmer .

    l.g.Petra Njavro

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